29bast1Haisterkirch - Dieser Tage kann man beobachten, wie sich zahlreiche Menschen - viele Einzelpersonen, auch Ehepaare, davon manche mit ihren Kindern - auf den Weg nach St. Sebastian begeben. Ältere Menschen fuhren auch mit dem Auto zur Kapelle, denn der Weg von Haisterkirch hinauf zur „Kapelle in der Waldeinsamkeit“ ist zu Fuß recht anstrengend wegen des steten Anstiegs.

 

Aufgefallen ist auch, dass sich die oben Ankommenden strikt an die Vorgaben der Bundes- und Landesregierung halten und die vorgeschriebenen Abstände einhielten. Gruppenbildungen gab es keine. Die Kapelle ist immer geöffnet. Das wissen offensichtlich die meisten Kapellenbesucher und vermeiden so auch Kontakte mit anderen Kapellenbesuchern. Manche Menschen verbinden den Besuch der Sebastianskapelle mit einem Waldspaziergang.


In die Kleinkirche, die dem Heiligen Sebastian geweiht ist, kommen normalerweise im Januar, um das Sebastiansfest (20. Januar) herum, die meisten Menschen.


Feststellen konnte man, dass am Wochenende zeitweise Kerzen in allen fünfzig Halterungen brannten. Kapellenmesner Bernd Schmid, der dafür sorgt, dass sich immer genügend Opferkerzen in der Ablage befinden, bestätigt, dass derzeit mehr Kerzen als sonst angezündet werden. Wer keinen Platz mehr für seine Opferkerze in den Halterungen fand, konnte diese in ein aufgehängtes Kästchen legen. Mesner Bernd Schmid achtet darauf, dass diese hinterlegten Kerzen dann zu einem späteren Zeitpunkt aufgesteckt und im Sinne der Kapellenbesucher angezündet werden.


Etliche Menschen aus der Region suchen momentan ganz bewusst diese Kapelle auf, denn St. Sebastian, der im Mittelalter als Schutzheiliger gegen die Pest galt, wird auch heute noch als Fürbitter bei Gott und Helfer in der Not verehrt. Der Heilige wurde vor allem in Seuchenzeiten aller Art um Hilfe und Beistand angefleht.


Daran erinnert wird man durch das hier oben oft gesungene Sebastianlied, dessen 5. Strophe so lautet: „Wollen Seuchen zu uns schleichen, bitte, dass sie von uns weichen. Scheuche ungesunde Luft, schließ des jähen Todes Gruft“. Auch die Inschrift zwischen dem Gebälk eines alten Fachwerkhauses direkt am Sebastianweg weist darauf hin: „Heiliger Sebastian in Krankheit, Pest und Hunger-Not bitte für uns bei Gott.“


Was die Menschen momentan sehr bewegt, kann man auch den Einträgen im neu aufgelegten Pilgerbuch entnehmen. Es ist die weltweit, alles beherrschende Corona-Krise. Es sind übrigens frei formulierte, individuelle Bittgebete, die bekunden, dass gläubige Menschen Gottes Nähe, Zuwendung und Liebe suchen und den Heiligen um Unterstützung in ihren Nöten bitten.


Normalerweise halten sich die schriftlichen Dankesbezeigungen und Bitten um Beistand im Sebastians-Pilgerbuch die Waage. Davon geben auch die über 500 Einträge im vergangenen Jahr Zeugnis. Jetzt aber dominiert deutlich das Hilfesuchen. Einige Beispiele seien hier genannt:


„Heiliger Sebastian,

wir danken Dir, dass Du unser Fürbitter ganz besonders in dieser Zeit der Corona-Pandemie bist. Sei Du uns allen nahe, vor allem den Kranken, den Sterbenden, unseren Priestern und allen Menschen, die Entscheidungen für unsere Gemeinden, Pfarreien, Bistümer und Land treffen.

Bitte für uns. Amen.“

„Bitte Heiliger Sebastian, hilf unserer Familie, dass die Seuche an uns vorbeizieht!“

„Heiliger Sebastian!

Bitte steh uns und unseren Familien in dieser schweren Zeit bei. Halte deine schützende Hand über uns und führe uns sicher aus dieser Krise heraus, damit wir danach wieder mehr zusammenrücken und mehr Mensch sind.“

„Heiliger Sebastian, liebe göttliche Kraft!

Bitte gib uns allen die Kraft und Gelassenheit, die Geduld und das Durchhaltevermögen diesen Herausforderungen namens Corona, die Not, Leid, Tod und wirtschaftliche massive Verluste mit sich bringen, all das durchzustehen. Wir werden dann geläutert aber auch besonnen und gestärkt aus der Krise herauskommen.

Ich wünsche uns allen Gesundheit und innere Stärke!“

Danke.

„Heiliger Sebastian, bitte hilf uns durch diese schwierige Zeit! Dankeschön. Amen.“

 

Text und Fotos: Rudi Martin



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