24bora titelbildBad Wurzach - Rund 60 Frauen lockte die Veranstaltung der Bo-Ra-Initiative in den Sitzungssaal von Maria Rosengarten. Die Initiative mit Frauen aus den beiden Landkreisen Bodensee und Ravensburg will Frauen dazu motivieren, bei den im Mai anstehenden Kommunalwahlen entweder für eines der Gremien (Ortschafts-, Gmeinderat oder Kreistag) zu kandidieren oder zumindest Frauen zu wählen. Bild: Moderatorin Marlene Gempp mit den Bad Wurzacher Gemeinderätinnen, Kandidatinnen und Ortsvorsteherinnen v.l. Gisela Brodd, Sybille Allgaier, Petra Greiner, Carola Gut, Monika Ritscher und Silvia Schmid.

 

 

Die Bad Wurzacher Gemeinderätin Gisela Brodd, die diese Veranstaltung in Maria Rosengarten organisiert hatte, freute sich über die sehr positive Resonanz. Christa Stierle, Gemeinderätin in Berg und Mitglied des Kreistages, übernahm die Begrüßung seitens der Initiative.

„Was wollen wir mit unserer Initiative erreichen?“ stellte Stierle die eher rhetorische Frage, angesichts des 9:63 Ungleichverhältnisses im Kreistag. Ziel der derzeit 15 Frauen der landkreisübergreifenden Initiative ist es, den Anteil der weiblichen Abgeordneten in den Gremien zu erhöhen, bis er den tatsächlichen Bevölkerungsanteil widerspiegelt. Aber auch die Tatsache, dass viele Frauen nach wie vor Männer wählen, „weil Männer oft in Führungspositionen sitzen und man denen mehr zutraut,“ wollen die Frauen von Bo-Ra mit ihren Veranstaltungen ändern. Dankbar sei die Initiative für die Unterstützung, die sie von Seiten der Frauenbeauftragten und von Martina Schmid von Frau & Beruf erfahren durfte. Inzwischen genieße die Initiative einen gewissen Bekanntheitsgrad, der auch bereits bis nach Stuttgart vorgedrungen sei. In vielen Landkreisen gebe es inzwischen Nachahmer-Initiativen.

 

Die Hausherrin, Bürgermeisterin Alexandra Scherer, erinnerte in ihrem Grußwort an die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland vor 100 Jahren. Damals seien auf anhieb 37 Frauen in die Nationalversammlung gewählt worden. Mit 9 % hatte das Parlament damals den weltweit höchsten Frauenanteil, ein Wert der erst in den 1980er Jahren im Bundestag übertroffen wurde. „Die Diskussion hat bis heute nichts an Aktualität verloren.“ Frauen bräuchten sich ihrer Meinung nach nicht zu verstecken. Sie sollten sich nicht einreden lassen: „Andere können´s besser“. Wenn es mit der Kandidatur nicht beim ersten Mal klappe, sollten sie die Erfahrungen mitnehmen und ein zweites Mal probieren. Denn: „Sie können das!“

 

Berthold Natterer, der Regionalmarktleiter der Volksbank-Allgäu-Oberschwaben, welche die Veranstaltung großzügig unterstützt hatte, eröffnete sein Grußwort mit einem Zitat von Mark Twain: „Was wären Männer ohne Frauen? Sehr wenig!“ Dies zeige auch die Mitarbeiterstruktur der Bank: „Von den 450 Mitarbeitern der Bank sind 250 Frauen“. Anders sehe es bei Aufsichtsrat und den Führungsebenen aus. Selbstkritisch meinte er: „Wir müssen an dieser Quote arbeiten.“

 

Marlene Gempp, Redakteurin bei der SZ moderierte die Vorstellungsrunden von Kandidatinnen und Mandatsträgerinnen. In der ersten Runde stellten sich die Gemeinderätinnen und Kandidatinnen aus dem Bad Wurzach Gremium vor.

Monika Ritscher erklärte: „Wir sind sofort akzeptiert worden.“ Sybille Allgaier berichtete von den Anfangsschwierigkeiten, aber: „Jede(r) kann das lernen.“ Man habe ein tolles Verhältnis untereinander. Ihre erste Amtsperiode habe ihren Horizont unheimlich erweitert. Laut Petra Greiner profitieren von der anderen Diskussionsführung von Frauen alle im Gremium. Und für Gisela Brodd macht die neue Rathauschefin Alexandra Scherer ihre Sache sehr gut. Carola Gut erklärte, warum sie für den Gemeinderat kandidieren wird. „Weil Frauen überall dort dabei sind, wo etwas ehrenamtlich gemacht wird, nicht jedoch da wo Entscheidungen gefällt werden.“ Grundtenor bei allen: „Traut Euch, ihr könnt das.“

 

In der nächsten Vorstellungsrunde erklärten die Kandidatinnen Katharina Beyersdorff, Ingrid Staudacher, Belinda Unger und Ulrike Felder-Rhein ihre Motivation für die Bewerbung für den Kreistag Ravensburg. Egal ob selbstständige Unternehmerin, ehemalige alleinerziehende Mutter oder Radiomoderatorin im Ruhestand, sie alle fühlen sich im Gremium unterrepräsentiert und und sind der Meinung, sie können etwas ändern. Und bei einer eventuell nicht von Erfolg gekrönten Kandidatur, sei es für Männer selbstverständlicher wieder an zu treten. Ulrike Felder-Rhein hofft auf eine hohe Wahlbeteiligung und gibt als Ziel für die Wahl an, den Frauenanteil im Kreistag auf 20% zu erhöhen.

In der dritten Runde berichteten die Gemeinderätinnen und Kandidatinnen für den Kreistag Christa Zodel, Brigitta Haug, Ingrid Detzel, Maria Rigal und Beatrice Schmidt aus Wangen von ihrer Motivation für die Kandidatur. Etwa um die Situation von Kindern zu verbessern. Oder die Situation im ÖNPV im Kreis, mit der die Männer, die am morgen zur Arbeit fahren und abends wieder nach Hause nicht allzu viel mitbekommen. Anders die Frauen, die dann schon mal die Kinder, die eine Dreiviertelstunde an der Bushaltestelle warten müssen trösten müssen.

 

Die aktuellen Vertreterinnen im Kreistag, Dr. Silke Rieser, Hildegard Fiegel-Hertrampf, Gisela Müller, Christa Stierle und Liv Pflüger berichteten in ihrer Gesprächsrunde von ihren Erfahrungen und ihren Zielen. Auch Mut zur Lücke gehöre zu so einer Bewerbung dazu. Man kann sich in alles einarbeiten. Sie stellten auch die vielfältigen Aufgaben etwa Verkehr, Krankenhäuser oder Soziales vor, bei denen man einen neuen Blick auf viele Aufgaben bekommen und dabei viele Menschen kennenlerne.
Vorkenntnisse seien – außer einem gesunden Menschenverstand, Mut und Interesse an den Themen – nicht erforderlich. Es gebe zu allen Themen Fortbildungsmöglichkeiten. Man merke bald, welche Themen einem liegen. Die Themen beträfen stets den eigenen Alltag.

 

Gisela Brodd bedankte sich bei den Sponsoren der Veranstaltung. Ihre Helferinnen Johanne Gaipl und Margit Rock von der Bad Wurzach Info sowie Heike Hierlemann und Claudia Leiber von der Stadt-verwaltung erhielten kleine Präsente für die Organisation des Abends, ehe die potentiellen Kandidatinnnen bei Häppchen und Getränken ihren Wissensdurst im Gespräch mit Mandatsträgerinnen stillen konnten.

 

 

Bericht und Bilder Ulrich Gresser

 

 

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