Leserbrief 300.jpgBad Wurzach (Leserbrief) - Zum Verständnis: Ein Exkurs in die Geschichte nach dem Motto: „Aus der Geschichte lernen“.

 

Kirchenglocken durften nach einem Edikt Karls des Großen aus dem Jahre 802 in seinem gesamten europäischen Herrschaftsbereich läuten. Der Ruf des Muezzins ertönte in Südeuropa, vor allem in der spanischen Provinz Andalusien, das erste Mal im achten Jahrhundert mit dem Beginn der muslimischen Landnahme der Mauren. Dieser Ruf war nicht nur religiöses Symbol sondern auch Symbol der Macht.

 

 

Das maurische Ziel der Islamisierung von Südeuropa scheiterte an der „Reconquista“, der Rückeroberung durch das Christentum, vor allem durch die charismatische Königin Isabella von Kastilien, der es 1492 gelang, die kampflose Übergabe der Festung Alhambra bei Granada durchzusetzen.

 

Auch Südosteuropa war Ziel der islamischen Land- und Machtnahme. 1453 erreichte diese ihren Höhepunkt mit der Eroberung von Konstantinopel, der Hauptstadt des christlich geprägten byzantinischen Reiches. (Heute wird die Zahl 1453 von türkischen Vereinen in Deutschland für Aufdrucke auf Kleidungsstücken oder Vereinsfahnen benützt, um damit den Sieg über das christliche Ostrom zu feiern.) Das eigentliche Ziel der muslimischen Herrscher war aber weiter gesteckt. Große Teile Südosteuropas wurden in den Folgejahren unterworfen. 1529 standen türkisch-muslimische Truppen das erste Mal vor Wien.

 

Nachdem dieser Angriff zurückgeschlagen wurde, kam es in den Jahren 1683 bis 1699 zu mehreren Abwehrschlachten gegen die bis zu 150.000 Mann starken türkischen Verbände. In der Schlacht am Kahlenberg 1683 wurde der polnische König Johann III. Sobieski zum Retter des christlichen Europa.

 

Die polnische Nationalgeschichte sieht das Jahr 1683 neben 1241 (Abwehrschlacht gegen die Mongolen bei Liegnitz, Niederschlesien) und 1920 („Wunder an der Weichsel“ mit Marschall Pilsudski bei der Abwehr der von Josef Stalin und Michail Tuchatschewski geführten Roten Armee als bedeutendsten Beitrag Polens zur Rettung des christlichen Abendlandes.

Bekannter ist bei uns in diesem Zusammenhang der Sieg Prinz Eugens von Savoyen über die türkischen Eindringlinge, vielleicht durch den Liedtext „Prinz Eugen der edle Ritter! Hei, das klang wie Ungewitter weit in's Türkenlager hin.……….“ .

Aber auch das russische Kaiserreich war über Jahrhunderte mit der Abwehr des Ausdehnungsbestrebens des Osmanischen Reiches beschäftigt. So kam es zwischen 1676 und 1878 immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen. Russland sah sich als Wahrer der Interessen der unter osmanischer Herrschaft stehenden Christen, die damals ca.40 % der Bevölkerung ausmachten und, folgt man der Geschichtsschreibung, schwerer Diskriminierung ausgesetzt waren.

 

 

Der Ruf des Muezzins über Bad Wurzach?
Was hat das mit dem beantragten Ruf des Muezzins für Bad Wurzach zu tun? Ist das nur eine Eingebung einiger treuer Anhänger des neuen Sultan von Ankara (Zitat: „Wir werden Deutschland mit den Bäuchen unserer Frauen erobern“.) oder Ausdruck eines gelenkten politischen Islams?

 

Verfolgt man in- und ausländische Presseberichte, handelt es sich eher um eine von außen gesteuerte konzertierte Aktion mit einheimischen Helfern. So hat am Donnerstag, 23.04., die Frankfurter Integrationsderzernentin Sylvia Weber (SPD) in einer „Nacht- und Nebelaktion“ den Ruf des Muezzins über Lautsprecher erlaubt. Sie kann sich dabei auf ein Urteil aus dem Jahre 1985 berufen, nach dem in der Dürener Fatih-Moschee seither der Lautsprecherruf des Muezzin gestattet ist. Weitere Moscheegemeinden sind nach dem diesbezüglichen Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung diesem Beispiel gefolgt.

 

Auch in den USA breitet sich zum Unverständnis und Zorn vieler Bürger der Muezzinruf aus. Zum Ramadan 2020 darf nach einem Bericht des arabischen Senders Al Jazeera zum ersten Mal in der amerikanischen Geschichte in einer amerikanischen Hauptstadt, der Stadt Minneapolis im Bundesstaat Minnesota, fünfmal am Tag der Ruf des Muezzins mittels Lautsprechern über der Stadt erschallen. Der erste Ruf gegen 5 Uhr morgens, der letzte nach Einbruch der Dunkelheit.

 

Wez Keizer, ein örtlicher Kritiker, beschreibt in seinem Facebook-Beitrag, dass dieser Ruf ca. 15 – 20 Minuten dauert und dies, wie er meint, mit einem „Höllenlärm“. Al Jazeera gibt der Hoffnung Ausdruck, dass Minneapolis erst ein Anfang und dass in naher Zukunft der Ruf des Muezzin in allen amerikanischen Hauptstätten zu hören sei. Der hier gezeigte Ruf dauert nur ca. 5 Minuten.

 

Beim Aufrufen des Videos bitte etwas warten, da zunächst die stille Stadt gezeigt wird.
https://www.aljazeera.com/news/2020/04/historic-ramadan-call-prayer-echoes-minnesota-city-200424145353618.html.

Welcher Text ist diesem Ruf unterlegt?
https://www.youtube.com/watch?v=jVhT_1b5i6M

 

Wie gut die Aussichten für unseren agilen selbsternannten „Ortskalifen“ und seine Anhänger stehen, den Muezzinruf notfalls mit Hilfe der Gerichte durchzusetzen, ist schwer abzuschätzen. Genügend einheimische „Gutmenschen“ werden ihn dazu ermuntern. Die auf die Absage der Bürgermeisterin von seiner Seite erfolgte Erwiderung lässt den Schluss zu, dass so etwas zumindest angedacht ist. Ein geeigneter Platz zur Beschallung der Innenstadt mit je einem leistungsstarken Lautsprecher pro Himmelsrichtung könnte der kleine Turm auf unserem Rathaus sein!

Auch das Bad Wurzacher Serenadenkonzert erscheint ausbaufähig. Zu den bisherigen Blaskapellen könnte aus Solidarität zu unserem Ortskalifen noch eine Janitscharentruppe (ehemals muslimische Elitetruppe und Leibwächter des Sultans) auftreten.

 

Mit vielbeschworener Integration hat das, was sich hier anbahnt, nichts zu tun.

Ich kenne dagegen eine Reihe wirklich integrierter und integerer muslimischer Mitbürger im Raum Bad Wurzach, die unauffällig unter uns leben, die unsere Lebensweise respektieren und die unserer autochthonen Bevölkerung nicht ein aggressives nationalistisch-islamisches Weltbild überstülpen wollen. Für diese echten Mitbürger bedeutet eine derartige Entwicklung einen Schlag ins Gesicht.

 

Hans-Joachim Schodlok
Dietmanns, Bad Wurzach

 

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