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Kreis Ravensburg (ots) - Leichter Anstieg der Gesamtstraftaten | Aufklärungsquote über dem Landesdurchschnitt | Zunahme bei den Kapitalverbrechen | Starker Anstieg bei den Betrugsdelikten | Rückgang beim Wohnungseinbruch | Weitere Zunahme von Gewalt gegen Polizeibeamte

 

"Trotz des Anstiegs der Gesamtzahl der Straftaten im vergangenen Jahr in den Landkreisen Ravensburg, Sigmaringen und im Bodenseekreis um insgesamt 587 Delikte auf 29.733 ist das Sicherheitsniveau im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ravensburg nach wie vor gut", betont Polizeipräsident Uwe Stürmer am heutigen Dienstag bei der Bekanntgabe der Polizeilichen Kriminalstatistik 2019 (PKS). Mit 18.171 geklärten Straftaten sei die Aufklärungsquote zwar leicht rückläufig, liege aber mit 61,1 Prozent (Vorjahr: 62,45 %) immer noch über dem Landesdurchschnitt.

Dabei sei die Entwicklung der Gesamtkriminalität in den Landkreisen durchaus unterschiedlich ausgefallen. Insgesamt sei der Anstieg der Straftaten vornehmlich auf Sachbeschädigungen, Betrugsfälle und Beleidigungen zurückzuführen. Mit dieser Entwicklung habe auch die Kriminalitätsbelastung insgesamt von 4.640 auf 4.709 Straftaten (= Zahl der Straftaten bezogen auf 100.000 Einwohner) zugenommen. Diese liege dennoch um fast zehn Prozent niedriger als im Landesdurchschnitt (5.184 Straftaten/pro 100.000 Einwohner).

 

 

Sehr positiv bewertet Stürmer den erneuten Rückgang beim Wohnungseinbruch.

Nachdem diese Straftaten bereits in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen seien, habe deren Zahl um 27 Fälle auf 227 Delikte abgenommen, was einem neuerlichen Rückgang von über 10 Prozent entspreche, so der Polizeichef. "Hier zahlt sich die engagierte Arbeit der Ermittler von Schutz- und Kriminalpolizei über die Landesgrenzen hinweg aus." Aber auch die intensive Präventionsarbeit und gezielte Fahndungsmaßnahmen nach Einbrecherbanden haben zu dieser positiven Entwicklung beigetragen, so der Polizeipräsident. Erfreulich sei auch, dass die Täter bei fast jedem zweiten Wohnungseinbruch keine Beute machten und die Taten damit im Versuchsstadium stecken blieben. "Die technische Sicherung der eigenen vier Wände lohnt sich also", so der Polizeichef. Die Reduzierung von Einbrüchen wird auch weiterhin ein zentrales Thema in der polizeilichen Präventionsarbeit sein, kündigt Stürmer an.

 

 

Tatverdächtige

Mit 12.524 (12.526) ermittelten Tatverdächtigen (einschließlich ausländerrechtlicher Delikte) sei deren Zahl gegenüber dem Vorjahr nahezu gleichgeblieben, dagegen habe die Zahl der Tatverdächtigen ohne ausländerrechtliche Straftaten um 122 auf 11.669 (11.547) zugenommen.

Die Tatverdächtigen unter 21 Jahren seien insgesamt von 3.020 auf 2.876 zurückgegangen, was den niedrigsten Wert der vergangenen zehn Jahre bedeute. Der kontinuierliche Rückgang der Jugendkriminalität entspreche allerdings auch der demographischen Entwicklung. Bei den Jugendlichen und Heranwachsenden hätten vor allem Eigentumsdelikte, Gewalt gegen Personen und Sachen sowie verbale Gewalt und Rauschgiftdelikte im Vordergrund gestanden, wobei 33 der sogenannten Jungtäter auch wegen tätlicher Angriffe gegen Polizeibeamte aufgefallen seien.

Lege man bei der Betrachtung der ausländischen Tatverdächtigen die Delikte ohne ausländerrechtliche Verstöße zugrunde, so sei deren Zahl mit 3.603 (3.611) Tatverdächtigen nahezu konstant geblieben, führt der Polizeichef weiter aus, bei den ermittelten deutschen Tatverdächtigen sei hingegen ein leichter Anstieg von 131 auf 8.069 zu verzeichnen. Mit einem vergleichsweise hohen Anteil - teilweise bis zu 50 Prozent und mehr - schlagen ausländische Tatverdächtige aber auch bei mehreren Deliktsbereichen der schweren Kriminalität zu Buche, so Stürmer. Bei der gefährlichen Körperverletzung liege deren Anteil bei 44 Prozent, bei der gefährlichen Körperverletzung mit Waffe/gefährlichem Werkzeug sogar bei über 50 Prozent.

 

 

Betrachtung einzelner Deliktsbereiche

Gewaltkriminalität "Deutlich von 19 auf 28 zugenommen hat die Zahl der von der Kriminalpolizei bearbeiteten vollendeten und versuchten Tötungsdelikte", betont Stürmer. Dabei habe der gleich zu Beginn des vergangenen Jahres von einem 33-jährigen Rumänen auf offener Straße in Ravensburg begangene Mord für das wohl größte öffentliche Interesse gesorgt. Der zwischenzeitlich vor dem Landgericht zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilte Täter hatte am Abend des 31. Januar 2019 mit einem Bajonett über 20 Mal auf seinen 46-jährigen deutschen Nebenbuhler eingestochen, der noch am Tatort seinen schweren Verletzungen erlag. Erfreulich sei, dass so wie dieser Mord auch alle anderen vollendeten und versuchten Tötungsdelikte - oft durch akribische Ermittlungsarbeit - zumeist schnell geklärt und damit eine Aufklärungsquote von 100 Prozent erreicht werden konnte, so der Polizeichef.

Ebenfalls eine Zunahme hätten die Sexualstraftaten erfahren, die um über 20 Prozent von 408 auf 493 Fälle gestiegen seien. Naheliegend sei, dass ein Teil des Anstiegs auch aus einer höheren Anzeigebereitschaft infolge der "Me too-Debatte resultiere. Erfreulich sei, dass die Aufklärungsquote bei den Sexualdelikten nochmals um zwei Prozentpunkte auf 86,4 Prozent zunahm. Aber auch im Deliktsfeld der Verbreitung von pornografischen Schriften im Internet und sexuell motivierten Beleidigungen waren erhebliche Steigerungsraten zu verzeichnen, erklärte der Präsidiumsleiter.

Während die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen vergangenes Jahr um 52 Fälle auf 717 Delikte zurückgegangen sei, nahm die Zahl der Raubdelikte um 10 Fälle auf 120 zu. Die Aufklärungsquote habe in den beiden Deliktsbereichen um 13 Prozentpunkte auf fast 37 Prozent verbessert werden können.

"Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum insgesamt, also alle Straftaten, die unter Anwendung oder Androhung von physischer Gewalt begangen werden, sind im Jahr 2019 um 47 Fälle (-3,1 %) auf 1.468 Delikte zurückgegangen", stellte Stürmer fest. Die Aufklärungsquote liege mit 83,3 Prozent gleich hoch wie im Vorjahr.

Nach wie vor bedenklich und nicht hinzunehmen sei die Entwicklung bei den Gewaltdelikten gegen Polizeibeamte, die auch im zurückliegenden Jahr erneut um 33 Fälle (+ 12,2 %) auf 304 Straftaten zugenommen haben, stellt der Polizeichef kritisch fest. Allein zwei Drittel der Tatverdächtigen (163 von 248) seien bei der Gewaltanwendung gegenüber Polizistinnen und Polizisten alkoholisiert gewesen, ergänzt Stürmer. Im Zehnjahresvergleich nahmen die Gewaltdelikte gegenüber der Polizei von 201 auf 304 Straftaten und damit um etwa 50 Prozent zu.

 

 

Eigentumskriminalität

Erfreulicher sei die Entwicklung dagegen bei der Diebstahlskriminalität, die im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums auf ein 10-Jahres-Tief gesunken sei. Damit hätten die Straftaten in diesem Deliktsbereich um 211 auf 7.729 Fälle abgenommen. Insbesondere der nochmalige Rückgang der Wohnungseinbrüche um 27 auf 229 Fälle markiere die niedrigste Zahl seit 1984, ergänzt Stürmer zufrieden. Überdies habe die Aufklärungsquote um über 13 Prozentpunkte auf 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesteigert werden können. Einmal mehr habe sich die Bildung von Ermittlungsgruppen und die Arbeit der bei den Polizeirevieren tätigen Einbruchsachbearbeiter bewährt. Das geschaffene Netzwerk mit seiner intensiven Ermittlungstätigkeit, begleitet durch eine qualifizierte Spurensicherung sowie Fahndungs- und Kontrollmaßnahmen samt umfangreicher Präventionsanstrengungen habe vor allem zu dieser Reduzierung beigetragen, stellt der Polizeichef fest. Dass die Täter in 100 Fällen scheiterten und es beim Versuchsstadium blieb, sei sicher auch auf die erhöhten technischen Sicherheitsvorkehrungen an den Gebäuden zurückzuführen.

 

 

Drogenkriminalität

"Nach mehrjährigem Anstieg sind die registrierten Rauschgiftdelikte vergangenes Jahr um 29 Straftaten auf 2.325 Fälle leicht zurückgegangen", berichtet Stürmer, wobei in diesem Deliktsbereich immer auch von einem größeren Dunkelfeld ausgegangen werden müsse. Einmal mehr seien die meisten Drogenverfahren in Zusammenhang mit Cannabis und Amphetaminen geführt worden, allerdings habe sich die Zahl der Ermittlungsverfahren bei den Delikten mit den neuen psychoaktiven Stoffen (NPS) von 14 im Jahr 2018 auf 69 im Folgejahr massiv erhöht. Im Vergleich zum Vorjahr seien neun Rauschgifttote, zwei mehr als im Vorjahr, zu beklagen gewesen. Dabei habe es sich um sieben Männer und eine Frau im Alter von 24 bis 52 Jahren gehandelt habe. Alle acht Personen seien an einer Überdosis verstorben, die neunte Person sei aus dem Jahr 2018 nacherfasst worden, erläutert der Leiter des Polizeipräsidiums.

"Leider werden die gesundheitlichen Folgen bei synthetischen Cannabinoiden von jungen Menschen meist unterschätzt oder verharmlost, dabei sind der Wirkstoffgehalt und auch die Zusammensetzung der Wirkstoffe beim Kauf der Drogen in der Regel unbekannt", warnt Stürmer. Die Eindämmung der Rauschgiftkriminalität sowie die Prävention in diesem Bereich mit den Kooperationspartnern von Kommunen, Schulen und Sozialeinrichtungen werde deshalb weiter fortgesetzt.

 

 

Vermögens- und Fälschungsdelikte

Um 227 auf 6.119 Fälle haben die Vermögens- und Fälschungsdelikte im Jahr 2019 zugenommen, so der Polizeichef, was insbesondere auf einer Zunahme bei Waren- und Warenkreditbetrügereien, zurückzuführen sei. In dieses Kriminalitätsfeld fallen aber auch die Betrugsdelikte des Phänomenbereichs "Falscher Polizeibeamter", die großen Anlass zur Sorge geben, mahnt Stürmer. In insgesamt 877 Fällen seien meist betagte Menschen von Betrügern, die aus Callcentern agieren, von angeblichen Polizeibeamten oder anderen Amtspersonen angerufen worden. Obwohl die Betrugsmasche zwischenzeitlich hinlänglich bekannt sei, gelang es den Tätern durch psychologisch ebenso geschicktes wie perfides Vorgehen leider in mindestens sechs Fällen, die Geschädigten um ihre Ersparnisse in der Gesamthöhe von nahezu 250.000 Euro zu bringen, so der Polizeichef. Auch der sogenannte Enkeltrick zähle zum Callcenterbetrug, ergänzt Stürmer und warnt davor, dass die Betrüger bereits ihr Vorgehen auf die Corona-Krise angepasst haben und ihre potentiellen Opfer aktuell zunehmend damit konfrontieren, dass Familienangehörige erkrankt und für die Behandlung größere Bargeldsummen erforderlich seien.

"Die Schwerpunktermittler der Kriminalpolizei werden auch künftig diese schäbigen Straftaten mit allem Nachdruck verfolgen", kündigt Stürmer an. Die Polizei werde ferner in ihren Präventionsbemühungen nicht nachlassen, um dieses ebenso perfide wie schadensträchtige Deliktsfeld mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen.

 

 

Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Ravensburg

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